E.T.A. Hoffmann: Die große Hörspieledition

Die insgesamt 11 Titel der Tonträger sind von deutschsprachigen Rundfunkanstalten hergestellte Hörspielfassungen Hoffmann´scher Originale und verdeutlichen vor allem des Autors virtuoses Hin und Her zwischen realer und Phantasiewelt. Besonders anmutig gelingt dies beim bekanntesten der drei in die Sammlung aufgenommen „Mährchen“, Nussknacker und Mäusekönig. So der Originaltitel der indirekt, weil über Alexandre Dumas vermittelten Vorlage für Tschaikowskis berühmtes Ballett, dessen Musik hier im Hörspiel effektvoll, wenn auch anachronistisch eingesetzt wird.
Gruselig nach Art der schwarzen Romantik geht es dagegen in der (allzu) stark gekürzten Hörfassung des Romans Die Elixiere des Teufels zu. Schrecken vor historischem Hintergrund aus der Zeit Ludwigs XIV wiederum vermittelt Das Fräulein von Scuderi. 1819 veröffentlicht, gilt dieses Werk als erste deutschsprachige Kriminalnovelle überhaupt und kehrt etwas mehr als 100 Jahre später als Opernstoff in Hindemiths Cardillac wieder.
Ein tiefgehendes, oft ironisch distanziertes Interesse an Musikern und Musikkritik ist aber schon bei Hoffmann selbst angelegt und wird in der Hörspielsammlung mit drei Titeln gut veranschaulicht: Ritter Gluck, Don Juan – diesen beiden dramatisierten Erzählungen ist jeweils eine kurze Einführung über den Autor und bekennenden Mozartverehrer vorangestellt -, sowie Der Baron von B.
Ganz andere Ziele illustrieren schließlich noch Das Fremde Kind als gesellschaftskritisch-didaktische Parabel auf den Gegensatz zwischen Natur und (übersteigerter) Kultur, weiters Spielerglück als schauerromantische Deutung der Folgen von Spielsucht, und endlich Klein Zaches genannt Zinnober, der bei Hoffmann weit mehr repräsentiert als bloß einen missgestalteten Zwerg, auf den ihn die „Ballade vom Kleinzack“ in Offenbachs Oper reduziert hat, nämlich kollektive Sinnestäuschung.
Unter den zahlreichen bekannten, in der Sammlung vertretenen Stimmen bekannter Sprecher:innen hebt der Verlag, wohl aus Marketinggründen, die von Horst Tappert samt Konterfei auf dem Booklet besonders hervor, wiewohl nur kurz in einer Nebenrolle als Louis XIV zu hören. Das heimische Publikum fortgeschritteneren Alters freut sich da wohl mehr über eine Wiederbegegnung mit altösterreichischen Mimen wie Rudolf Wessely (Nussknacker), Ernst Meister oder Guido Wieland (beide in Spielerglück). Besondere Freude aber wird langjährigen Freunden des Grazer Schauspielhauses im Don Juan zuteil: Otto David deutet darin als Ich-Erzähler Hoffmann den Giovanni, und Lotte Marquardt gibt die Donna Anna.
Hugo Kubarth
