Florian Illies: Wenn die Sonne untergeht

In diesem heißen Sommer in Sanary treffen die Manns weitere, vor den Nazis ge-flohene, Künstler und Schriftsteller wie sein Bruder Heinrich Mann, Arnold Zweig, Lion Feuchtwanger oder Aldous Huxley mit ihren Familien. Man trifft sich, richtet sich komfortabel ein, genießt die Landschaft und das Meer, veranstaltet Lesungen und wird eine kleine Exilgemeinde unter wenigen einheimischen Fischern. In vielen kurzen Sequenzen beschreibt Florian Illies das ungewisse Leben der Fa-milie Mann und der Exilanten eingebettet in die verheerenden Entwicklungen in Deutschland.
Der Protagonist Thomas Mann wird dabei nicht als das große Genie dargestellt. Er hadert mit seinem Schicksal und ist sich unschlüssig welche Position er zum neu-nen Deutschland einnehmen soll. Ihm geht es in erster und einziger Linie um SEIN WERK. Und obwohl er von seiner Familie der „Zauberer“ genannt wird, ist er manchmal recht weltfremd und nur auf sich bezogen. Seine Frau Katia, die um sei-ne zerrissene Seele weiß, steht auch in diesen wirren Zeiten fest zu ihm. Thomas Mann behandelt sowohl seine minderjährigen, als auch seine erwachse-nen Kinder ungerecht und erkennt ihre Unternehmungen zur Rettung seines Wer-kes und des Vermögens nicht an. Er fällt besonders seinen beiden ältesten Kindern Erika und Claus in dieser verworrenen Zeit in den Rücken.
Florian Illies hat für seine Recherche unzählige Tagebücher gelesen und ist selbst längere Zeit vor Ort in Sanary gewesen. Das Ergebnis schwankt zwischen Roman-fiktion und feuilletonistischer Geschichtsschreibung. Das Hörbuch ist kurzweilig und wer den Stil von Florian Illies mag, kommt exakt auf seine Kosten. Denn auch was sich nach diesem Sommer 1933 ereignet wird am Ende kurz umrissen.
Stephan Schads Timbre ist einfühlsam und passt perfekt, um die Charaktere der einzelnen Sommergäste wiederauferstehen zu lassen. Viel Vergnügen beim Hören.
Claudia Werner
